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6.3 Versuchsanordnung6.3.1 Gewählte MethodeUm sowohl möglichst exakte als auch möglichst aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten, habe ich mich entschlossen, Elemente eines Experiments und einer schriftlichen Befragung zu vereinen. Zuerst bat ich die Teilnehmer/innen, drei Fragen zur eigenen Erfahrung mit dem WWW bzw. Informationstechnik im Allgemeinen zu beantworten.
Anschließend wurden sie von mir gebeten, online sechs WWW-Angebote, die inhaltlich identisch waren, aber unterschiedliche Navigationssysteme aufwiesen, zu vergleichen, und anschließend den Grad ihrer Zustimmung zu den folgenden Sätzen anzugeben (inkl. Begründung).
Um dies zu erleichtern, war auf jedem Fragebogen eine WWW-Übersichtsseite mit Hyperlinks zu den einzelnen WWW-Angeboten angegeben. Zur Vermeidung von Gewöhnungseffekten waren in den sechs Fragebögen (und natürlich auch auf den WWW-Übersichtsseiten) die durch Screenshots kenntlich gemachten WWW-Angebote in unterschiedlicher Reihenfolge angeführt. Ein Musterfragebogen (sie unterschieden sich nur durch die Reihenfolge der WWW-Angebote) findet sich in Anhang A (Fragebogen). Die Vorteile dieser Vorgehensweise sind m.E. folgende:
6.3.2 InhaltAls Inhalt für die WWW-Angebote diente der Inhalt des WWW-Angebots einer Star Trek-bezogenen Usenet-Newsgroup. Es war mir dabei wichtig, Inhalte zu wählen, die möglichst allen Teilnehmer/inne/n ein Begriff sind, und - meiner Meinung nach besonders wichtig - keinerlei Bezug zu WWW-Authoring hat. Den sechs WWW-Angeboten lagen je 153 WWW-Seiten mit Buchbesprechungen, Folgenbesprechungen, Charakterbeschreibungen, Vorstellungen der Teilnehmer/innen, den Frequently Asked Questions (FAQ), der Beschreibung eines Mail-to-News-Gateway und der Benutzerstatistik zugrunde. Hinzu kommt eine je nach Navigationssystem unterschiedliche zusätzliche Anzahl von WWW-Seiten zur Navigation. Die Kategorisierung erfolgte in maximal 3 Ebenen. In Abbildung 10 ist die genaue Aufteilung dargestellt. Kategorien sind dabei eingerahmt. Die Anzahl der darin vereinten WWW-Seiten ist in Klammer der Bezeichnung nachgestellt. Zu den FAQ, dem Gateway und der Benutzerstatistik gelangte man direkt aus der ersten Ebene. Es sei hier auch noch erwähnt, dass ich sämtliche WWW-Angebote bewusst äußerst schlicht gestaltet habe, um etwaige Verzerrungen zu vermeiden, da ansprechende grafische Gestaltung doch sehr subjektiv ist. Abbildung 10: Struktur der Inhalte der WWW-Angebote. [D] 6.3.3 Sechs NavigationssystemeDie implementierten Varianten der jeweiligen Navigationssysteme werden im folgenden beschrieben. Als Beispiele habe ich für dieses Unterkapitel jeweils einen Screenshot aus der 3. Navigationsebene (Buchbesprechungen - Deutsche Bücher - Star Trek) verwendet. 6.3.3.1 Hierarchische NavigationHier habe ich die wohl älteste und bekannteste Navigationsvariante gewählt. Um zur gewünschten WWW-Seite zu kommen, müssen Benutzer/innen die Hierarchie hinabsteigen. Dabei sind immer nur Hyperlinks zur nächsttieferen Ebene sowie oben und unten ein Hyperlink zur Startseite zur Auswahl. Wie bei diesem System üblich, wird im unteren Bereich der Seite auch ein erklärender Text angeboten. Abbildung 11: Beispielseite für das Navigationssystem "Hierarchische Navigation". 6.3.3.2 Navigationsmenü linksAuch diese Variante ist überaus gebräuchlich. Über eine Tabelle realisiert, findet man links das Navigationsmenü, über das man jeweils die nächsttiefere Ebene wählen kann. Während sich der Benutzer bzw. die Benutzerin tiefer in die Hierarchie begiebt, bleibt die Gesamtübersicht links ständig bestehen und wird im aktiven Bereich zunehmend detaillierter. Sobald die Hyperlink-Bezeichnungen zu lang wurden (d.h. bei den Buch- und Folgentiteln) war es nötig, diese in die rechte Zelle der Tabelle zu verlagern, und damit aus der eigentlichen Navigationsstruktur herauszunehmen. Abbildung 12: Beispielseite für das Navigationssystem "Navigationsmenü links". 6.3.3.3 Navigationsmenüs oben und untenDieses Navigationssystem gleicht dem Hierarchischen [vgl. 6.3.3.1 Hierarchische Navigation]. Das Navigationsmenü enthält jeweils Hyperlinks zu den in der Hierarchie tieferliegenden Kategorien. Diese Hyperlinks wurden jedoch, soweit es aufgrund der Anzahl möglich war, oben und unten - getrennt durch vertikale Striche ("|") statt Zeilenumbrüche - angeführt. Es ist dabei im Gegensatz zur hierarchischen Navigation jedoch kaum übersichtlich möglich, Hyperlinks zurück zur Startseite anzuführen, was deshalb auch unterblieben ist. Sobald Hyperlinkbezeichnungen zu lang wurden (d.h. bei den Buch- und Folgentiteln) war es nötig, diese im zentralen Bereich anzuführen und stattdessen die Hyperlinks der letzten Navigationsebene oben und unten zu belassen. Abbildung 13: Beispielseite für das Navigationssystem "Navigationsmenüs oben und unten". 6.3.3.4 Navigation in Spalten3Dieses Navigationssystem ist weniger gebräuchlich. Es wurde Ende 1999 für das WWW-Portal der Wirtschaftsuniversität Wien implementiert, wo es ein hierarchisches Navigationssystem ablöste [vgl. auch SiNe99]. Dies ist auch der Grund für die Aufnahme in diese Arbeit. Die Navigation geschieht in Tabellenspalten. Kategorien sind durch Pfeile gekennzeichnet. Nach dem Anwählen wird der gewählte Hyperlink grau unterlegt und in der nächsten Spalte der Inhalt der Kategorie geöffnet, wo selbiges wieder möglich ist. Das Navigationsmenü wird erst nach Aufruf einer reinen Informationsseite verlassen. Bis dahin ist jedoch auch Navigation zwischen den einzelnen Kategorien beliebig möglich. Abbildung 14: Beispielseite für das Navigationssystem "Navigation in Spalten". 6.3.3.5 Navigationsmenü links (ohne Unterstreichungen)Dieses Navigationsmenü ist weitgehend identisch mit jenem aus 6.3.3.2 (Navigationsmenü links). Es unterscheidet sich nur dadurch, dass die Hyperlinks nicht unterstrichen sind. Abbildung 15: Beispielseite für das Navigationssystem "Navigationsmenü links (ohne Unterstreichungen)". 6.3.3.6 Stil des Windows-ExplorerDies ist das einzige auf Rahmen aufbauende Navigationssystem, das im Rahmen dieser Arbeit untersucht wurde. Es ist möglichst weitgehend dem Stil des Windows-Explorers nachempfunden. Diese Variante wird auch in der Praxis zunehmend häufiger - allerdings meist unter Verwendung von JavaScript. Aufgrund der erwähnten Nachteile dieser Technologie habe ich mich jedoch bei der Realisierung auf HTML beschränkt [siehe 4.1.1.3 JavaScript/JScript]. Abbildung 16: Beispielseite für das Navigationssystem "Stil des Windows-Explorer". Es werden dabei Verzeichnisse speziell gekennzeichnet - ebenso ihr Zustand (geöffnet oder geschlossen). Das gleichzeitige Öffnen mehrer Kategorien ist im Unterschied zum Windows-Explorer jedoch nicht möglich. 6.3.4 StichprobeDie Untersuchung wurde in zwei Lehrveranstaltungen an der Wirtschaftuniversität Wien mit insgesamt 33 Studierenden durchgeführt. 23 der Teilnehmer/innen stammten aus einer Einführungslehrveranstaltung "Elektronische Datenverarbeitung (Rechnerpraktikum)" des ersten Studienabschnitts. Die 10 anderen besuchten die Lehrveranstaltung "Einführung in das objektorientierte Programmieren in C++" im Rahmen einer Speziellen Betriebwirtschaftslehre (SBWL) aus dem Bereich der Informationswirtschaft im zweiten Studienabschnitt und waren dementsprechend erfahrener im Umgang mit Informationssystemen. Somit setzte sich die Stichprobe aus Teilnehmer/innen mit äußerst unterschiedlichem Kenntnisstand zusammen, was auch die Antworten auf die Fragen eins bis drei zeigten. [siehe Anhang B (Rohdaten)] 6.3.5 UntersuchungsbedingungenFür das Vergleichen der WWW-Angebote und das Ausfüllen der Fragebögen hatten die Teilnehmer/innen zwanzig Minuten Zeit (es dauerte schließlich in beiden Fällen dreißig). Ich war in beiden Lehrveranstaltungen anwesend, um den Ablauf zu erklären und eventuelle Fragen zu beantworten - letzteres war kaum nötig, daher war auch meine Interaktion mit den Teilnehmer/inne/n minimal. Die beiden Lehrveranstaltungen fanden kurz nacheinander statt (Mittwoch 8 bzw. 9 Uhr). Als Browser wurde der Netscape Navigator 4.x verwendet, als Hardware Pentium 90-Systeme (17 Zoll-Bildschirme, Bildschirm-Auflösung 1024x768). In der Lehrveranstaltung "Elektronische Datenverarbeitung (Rechnerpraktikum)" arbeiteten die Teilnehmer/innen mit Windows NT, in der Lehrveranstaltung der SBWL mit Linux. Die WWW-Angebote waren auf einem Server im Intranet der Wirtschaftsuniversität Wien gespeichert, wodurch der Ladevorgang entsprechend schnell vor sich ging. Auswirkungen auf die Validität der Ergebnisse sollte dies jedoch nicht haben, da keines der WWW-Angebote grafikintensiv war (und damit durch die höhere Geschwindigkeit bevorteilt gewesen wäre). 3 Detaillierte Information zu diesem Navigationssystem und zu den für die Generierung notwendigen Skripten findet sich unter http://www.wu-wien.ac.at/about/about.html. |
| URL: http://www.pamer.net/benutzerfreundlichkeit/kapitel-6-3.html, Letzte Änderung: 29. 03. 2006, © Reinhard Pamer |