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5.1 Navigation5.1.1 Kategorisierung des WWW-AngebotsDie Hauptfrage ist hier, ob sich Benutzer/innen mentale Modelle des WWW-Angebots bilden, ob sie sich also einen Eindruck von der Struktur schaffen und sie geistig nachbilden. Diese Frage entscheidet über die Bedeutung einer geeigneten Kategorisierung. Während manche Autor/inn/en sie, ausgehend von der traditionellen Software-Entwicklung, für absolut zentral halten [vgl. PoJo98, 138; RoMo98, 26], hat sich bei Tests mit Benutzer/inne/n gezeigt, dass diese sich im World Wide Web keine mentalen Modelle von WWW-Angeboten bilden [vgl. Spoo97, 18]. Ein Fehlen derartiger Modelle hätte natürlich Auswirkungen auf die Bedeutung der Kategorisierung eines WWW-Angebots. Es sei hier jedoch ausdrücklich darauf hingewiesen, dass auch Spools Untersuchungen nicht zu wissenschaftlich fundierten explikativen Aussagen geführt haben, was er selbst erwähnt [vgl. Spoo97, xii]. Meines Erachtens sind Spools Ergebnisse jedoch zumindest plausibel, da Benutzer/innen im WWW weit weniger Zeit auf das Erforschen einzelner Angebote verwenden, als sie es mit traditioneller Software tun, die sie im Normalfall ja über längere Zeit im Gebrauch haben. 5.1.2 Navigations-Hilfsmittel5.1.2.1 RahmenRahmen (engl.: Frames) sind wohl eines der umstrittensten Themen im WWW-Authoring. Fakt ist, dass sie objektiv gesehen einige Nachteile haben [vgl. Musc99, Niel96c].
Wie leicht zu erkennen ist, nehmen die Probleme mit Rahmen immer mehr ab. Man kann jedoch davon ausgehen, dass sie nie oder nicht auf absehbare Zeit gänzlich verschwinden werden. Trotz aller Probleme kann man Rahmen jedoch nicht grundsätzlich verdammen, da sie sehr wohl auch Vorteile haben.
Somit ist im Endeffekt von Fall zu Fall zu beurteilen, ob die Vorteile die Nachteile aufwiegen. Ein generelles Urteil zu fällen, wie es mitunter versucht wird, ist m.E. unmöglich. 5.1.2.2 InhaltsverzeichnisEin Inhaltsverzeichnis kann vor allem bei umfangreicheren WWW-Angeboten sehr hilfreich sein, nicht zuletzt weil es an ein Buch erinnert und das Konzept den Benutzer/inne/n somit bekannt ist. Es ist beim Entwurf eines Inhaltsverzeichnisses jedoch einiges zu beachten.
5.1.2.3 NavigationsmenüsBei der Gestaltung von Navigationsmenüs stellen sich drei Fragen: Welche bzw. wieviele Ebenen soll ein Navigationsmenü anzeigen? Dabei gibt es die Möglichkeit, Hyperlinks einer Ebene (sei sie nun höher, tiefer oder die aktive), Hyperlinks verschiedener Ebenen (also die Anzeige des Wegs, den Benutzer/innen in die Hierarchie hinein nehmen) oder eine Kombination aus beidem zu wählen. [vgl. Togn98b] Ist es besser Text- oder Grafiklinks zu verwenden? Grafische Hyperlinks bieten mehr Möglichkeiten gestalterisch tätig zu werden, und können das Aussehen einer WWW-Seite positiv beeinflussen. Textlinks hingegen sind im Normalfall einfacher zu erstellen bzw. zu warten und auch oft für Benutzer/innen klarer erkenntlich. [vgl. O.A.98c] Textlinks haben ebenfalls den Vorteil, dass Benutzer/innen sie an ihre Bedürfnisse anpassen können. Wer also beispielsweise große Schrift bevorzugt, kann seinen Browser dementsprechend konfigurieren, mit Grafiken ist dies nur bei wenigen und nur eingeschränkt machbar (z.B. Opera). Die Möglichkeit, besuchte Hyperlinks anders (meist in einer anderen Farbe) darzustellen, eröffnet sich ebenfalls nur bei Textlinks. Eines ist jedoch in jedem Fall zentral: Bei der Entscheidung für grafische Hyperlinks sollte nicht vergessen werden, ALT-Tags anzugeben. Das sind Alternativtexte, die Browser anstatt der Grafiken zeigen, wenn sie zu deren Darstellung entweder nicht in der Lage sind (z.B. Lynx) oder dies deaktiviert wurde (wie es mit modernen Browsern problemlos möglich ist). Welche Art von Navigationsmenü soll gewählt werden (Position, Gestaltung)? Hier gibt es eine schier unüberschaubare Fülle an Möglichkeiten. Zwei sehr häufige Varianten sind Textlinks oben und unten bzw. links auf der WWW-Seite. Spool und Nielsen bevorzugen dabei die Variante mit Textlinks oben und unten. Dies vor allem weil Benutzer/innen dann, sobald sie eine Seite nach unten gescrollt haben, sofort ein Navigationsmenü am Bildschirm sehen [vgl. Spoo97, 25], und weil die Variante mit dem Navigationsmenü links zuviel Platz verbraucht [vgl. Niel99]. Abbildung 8: Beispiel für verschiedene Positionen von Navigationsmenüs. Abbildung 8 zeigt dieses Problem anhand der äußerst umfangreichen Benutzerstatistik der Usenet-Newsgroup at.freizeit.sf.startrek. In der linken Bildhälfte wird sie mit einem Navigationsmenü auf der linken Seite dargestellt, in der rechten Bildhälfte mit Navigationsmenüs oben und unten. Nielsen räumt jedoch ein, dass das erstere - seiner Meinung nach schlechtere - System schon bald vom Standpunkt der Benutzerfreundlichkeit besser sein könnte, da sich Benutzer/innen immer stärker daran gewöhnen [vgl. Niel99]. Generell ist zu sagen, dass es WWW-Autor/inn/en dringend anzuraten ist, Benutzer/inn/en zu zeigen, wo in der Hierarchie sie sich gerade befinden, d.h. der aktive Teil des Menüs sollte in irgendeiner Form hervorgehoben sein. [vgl. Spoo97, 25f] Zu diesem - meiner Meinung nach zentralen - Thema habe ich eine empirische Untersuchung durchgeführt, in der einige Navigationssysteme verglichen wurden. Die Ergebnisse sind durchgehend signifikant und sollten WWW-Autor/inn/en eine über Heuristiken hinausgehende Hilfestellung sein. [vgl. 6 Empirische Untersuchung] 5.1.2.4 ImagemapsImagemaps sind Grafiken, die in bestimmten Bereichen als Hyperlinks fungieren. Eine Grafik kann in verschiedenen Bereichen auch zu unterschiedlichen Zielen verlinken. Ein Beispiel dafür wäre die Landkarte des Bezirks Neusiedl/See. Je nachdem, welche Region man anwählt, gelangt man zu einer anderen Seite. Abbildung 9: Beispiel für Imagemap. Auch wenn man von Imagemaps nicht generell abraten kann, sind doch einige Nachteile zu bedenken:
All dies kann natürlich nicht ausschließen, dass in bestimmten Fällen Imagemaps sehr wohl sinnvoll sind, im Normalfall wird jedoch davon abzuraten sein. |
| URL: http://www.pamer.net/benutzerfreundlichkeit/kapitel-5-1.html, Letzte Änderung: 29. 03. 2006, © Reinhard Pamer |